Around 1670, Flemish painter Cornelius Norbertus Gysbrechts painted his trompe-l’œil masterpiece The Reverse of a Framed Painting, depicting just that, the back of a framed canvas, in oil. There is no indication of what the front, the actual painting, shows. Part of the enduring fascination of Gysbrechts’ painting is its foreshadowing of various modern and contemporary art practices; there seems to be an overlap with the concerns of conceptual art, of institutional critique, and while the painting is clearly figurative, to our eyes it seems almost abstract. The backs of protest signs, too, sometimes echo the visual language of modern and contemporary art; tools of art-making are often employed in their production, as well as found materials. While this visual similarity is usually unintentional, it is what first steered my attention to the backs of protest signs. Other aspects are of course also of interest, not least the increased availability of cardboard as a result of the proliferation of online shopping. Protest signs accordingly often recycle cardboard packaging; one side-effect of this practice is that the backs of protest signs sometimes display brand names or advertising, leading to a strange discrepancy in the messaging depending on what side of the sign one is looking at. However, this photographic archive of the backs of protest signs is not meant to disregard the messages on the front: You are much more likely to notice the backs of protest signs when you are marching along with a demonstration. On the contrary, the series The Reverse celebrates the improvised nature of protest and the ingenuity and inventiveness that goes into the construction of protest signs.
Um 1670 malte der flämische Maler Cornelius Norbertus Gysbrechts sein Trompe-l’œil-Meisterwerk The Reverse of a Framed Painting/Rückseite eines Gemäldes, das genau das zeigt: die Rückseite einer gerahmten Leinwand, in Öl gemalt. Es gibt keinen Hinweis darauf, was die Vorderseite, das eigentliche Bild, darstellt. Ein Teil der anhaltenden Faszination von Gysbrechts’ Gemälde liegt in seiner Vorwegnahme verschiedener moderner und zeitgenössischer Kunstpraktiken; es scheint Überschneidungen mit den Fragestellungen der Konzeptkunst und der Institutionskritik zu geben, und obwohl das Gemälde eindeutig figurativ ist, wirkt es auf unsere heutigen Augen beinahe abstrakt. Auch die Rückseiten von Protestschildern erinnern manchmal an die Bildsprache moderner und zeitgenössischer Kunst; bei ihrer Herstellung kommen häufig Werkzeuge künstlerischer Produktion ebenso zum Einsatz wie gefundene Materialien. Auch wenn diese visuelle Ähnlichkeit meist unbeabsichtigt ist, war sie es, die meine Aufmerksamkeit zunächst auf die Rückseiten von Protestschildern lenkte. Daneben sind natürlich auch andere Aspekte interessant, nicht zuletzt die zunehmende Verfügbarkeit von Karton infolge der Verbreitung des Online-Shoppings. Protestschilder recyceln dementsprechend häufig Verpackungskartons; ein Nebeneffekt dieser Praxis ist, dass auf den Rückseiten der Schilder manchmal Markennamen oder Werbung sichtbar bleiben, wodurch je nachdem, welche Seite man betrachtet, eine merkwürdige Diskrepanz der Botschaften entstehen kann. Dieses fotografische Archiv der Rückseiten von Protestschildern soll jedoch keineswegs die Botschaften auf den Vorderseiten ausblenden: Die Rückseiten von Protestschildern bemerkt man besonders dann, wenn man selbst auf einer Demo mitläuft. Im Gegenteil, die Serie The Reverse feiert den improvisierten Charakter von Protest sowie den Einfallsreichtum und die Kreativität, die in die Gestaltung von Protestschildern einfließen.